Elias Huckepack und die zwei goldenen Birnen

Laila hat Abenteuerlust und wandert an einem schönen Sonntagnachmittag mit ihrer Freundin durch den nahen Blätterwald am Hollerberg. Sie suchen die mutige Fee, die ganz oben am Gipfel zu finden sein soll. Als sie am höchsten Punkt ankommen, sind keine Menschen und auch keine Fee zu sehen, die sie verzaubern könnte. Wie schade! „Lass uns auf den umgefallenen Bäumen tanzen!“, sagt Emilia und schwingt sich auf den nächsten Baum. Laila hüpft von Baumstamm zu Baumstamm und versteckt sich zwischen den Ästen. Verträumt merken die beiden Mädchen nicht, dass sie sich immer weiter in den verwunschenen Wald verirren. Plötzlich entdeckt Emilia etwas versteckt zwischen Sträuchern eine dunkle Holzkiste. Aufgeregt fragt Laila: „Ob da drinnen ein Schatz verborgen ist?“ Neugierig stecken sie ihre Köpfe in das Dickicht und wischen das Laub von der Holzkiste. „Was soll es anderes sein als ein Schatz?“, antwortet Emilia ungeduldig.
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Emilia und Laila finden im Wald eine versperrte Holzkiste.
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Vielleicht weiß der schlaue Elias Huckepack den Code für die Schatzkiste?
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Auf der Wand im Lesekeller steht ein Hinweis. Der Schatz ist zwischen den Zeilen versteckt.
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Was weiß Elias wirklich über den Schatz? Finde es heraus.

Die Schatzkiste

„Gleich sind wir ganz oben, Emilia!“ Laila hat Abenteuerlust und wandert an einem schönen Sonntagnachmittag mit ihrer Freundin durch den nahen Blätterwald am Hollerberg. Sie suchen die mutige Fee, die ganz oben am Gipfel zu finden sein soll. Als sie am höchsten Punkt ankommen, sind keine Menschen und auch keine Fee zu sehen, die sie verzaubern könnte. Wie schade! „Lass uns auf den umgefallenen Bäumen tanzen!“, sagt Emilia und schwingt sich auf den nächsten Baum. Laila hüpft von Baumstamm zu Baumstamm und versteckt sich zwischen den Ästen. Verträumt merken die beiden Mädchen nicht, dass sie sich immer weiter in den verwunschenen Wald verirren. Plötzlich entdeckt Laila etwas versteckt zwischen Sträuchern eine dunkle Holzkiste.

Aufgeregt fragt Laila: „Ob da drinnen ein Schatz verborgen ist?“ Neugierig stecken sie ihre Köpfe in das Dickicht und wischen das Laub von der Holzkiste. „Was soll es anderes sein als ein Schatz?“, antwortet Emilia ungeduldig. „So versteckt unter Laub mitten im Wald kann das doch nur eine Schatzkiste sein. Machen wir sie auf!“ Die beiden Mädchen versuchen die Kiste mit den Händen zu öffnen und scheitern. Auch als sie sich mit den Füßen dagegenstemmen und mit allen vier Händen fest ziehen, öffnet sich der Deckel keinen Spalt. Auf der Rückseite bemerken sie ein merkwürdiges Schloss im Holz. Eines mit Buchstaben, die keinen Sinn ergeben: YPINLE. Sowas wie ein Zahlenschloss, nur mit sechs Buchstaben. „Das ergibt keinen Sinn. Voll verstellt“, meint Emilia enttäuscht. Hastig versuchen sie verschiedene Wörter. Ein Wort mit sechs Buchstaben, hm? Wie wär‘s mit SCHATZ? Funktioniert nicht. SCHOKO! Auch nicht. Vielleicht ein Name, LAILA? Der hat nur fünf Buchstaben. EMILIA! Verflixt. „Das wäre wohl viel zu einfach, wenn unsere Namen der Code zum Schatz wären“, meint Laila. „Komm, wir fragen Elias!“ „Auch nur fünf Buchstaben“, sagt Emilia und dreht sich enttäuscht um.

Erst jetzt merken die beiden abenteuerlustigen Freundinnen, dass sie sich verlaufen haben. Sie stehen mitten in einem verwunschen aussehenden Wald mit einer Kiste, die sich nicht öffnen lässt. Da huscht plötzlich ein weißer Hase vorbei. „Er weiß bestimmt den Weg hinaus aus dem Wald!“, ruft Emilia aus. Der Hase hoppelt langsam weiter, so als ob er den beiden unerschrockenen Abenteuerinnen den Weg zeigen will. Wenig später kommen sie zu einem kleinen Bächlein und Laila erinnert sich, dass das Wasser sicher zu der kleinen Schlucht führt, in der sie sonst gerne herumklettern. Von dort gibt es einen Weg zurück über den Steinbruch in die Weingärten. „Vielleicht ist Elias mit Tom im Steinbruch, die könnten uns Huckepack nehmen!“

Elias Huckepack

Sie sind voller Schmutz und ohne Atem, als sie Elias Huckepack im Steinbruch entdecken. Aufgeregt rufen die beiden zeitgleich: „Elias, wir haben eine Schatzkiste gefunden!“ „Wo kommt ihr denn her?“, fragt Elias und schaut die beiden dabei schon wissend an. Er beugt sich näher zu ihnen, legt den Zeigefinger auf seine Lippen und flüstert: „Psst! Verratet es ja nicht Tom. Das ist meine Kiste. Ich habe dort meine beiden goldenen Birnen versperrt, damit Tom sie nicht finden kann.“ Tom wütet oft wild um sich, wenn er zu viel Energie vom Safttrinken hat. Dann gehen auch die Mädchen oft in Deckung. „Er hat mir vorher im Saftkeller geholfen neue Flaschen abzufüllen. Das war wohl wieder zu viel Traubensaft“, erzählt Elias und schüttelt den Kopf. „Und ihr wisst ja, was der Traubenzucker mit ihm macht! Meine beiden goldenen Birnen wären längst kaputt. Schaut ihn euch an! Er muss mal wieder genügend Steine hauen, dann beruhigt er sich schon wieder.“

„Ja doch, das wissen wir. Elias, verrate uns jetzt lieber die Buchstaben für den Code!“, rufen die beiden ganz ungeduldig. Elias schüttelt den Kopf und sagt ihnen ganz ruhig: „Ein Code ist ein Geheimnis, das sollte man immer für sich behalten und gut merken. Ihr wollt ja auch nicht, dass andere in euren Sachen stöbern. Einen kleinen Hinweis gebe ich euch aber. Wenn ihr meinen Schatz finden wollt, dann lest genau auf der Wand im Lesekeller. „Ach’ Elias!”, seufzt Laila.

Der Code

Im Lesekeller am Hollerberg stehen die wertvollsten Flaschen vor einer Wand. Jede Flasche hat eine Geschichte, so wie auch der Traubensaft von Elias. Auf der Wand steht geschrieben, dass Elias Huckepack ein großes Herz hat und das Geheimnis seines Traubensafts hütet.
Laut liest Emilia vor: „Der Schatz ist zwischen den Zeilen versteckt. Der süße Saft und der ‚Hack‘ der Trauben in der feinen Schokolade beamen dich ins Abenteuer und geben dir Extraleben. Doch Vorsicht! Energie pur.“

„Da stehen drei Wörter mit sechs Buchstaben“, sagt Emilia schlau. „SCHATZ. FEINEN und ZEILEN. Ist das der Code? Vielleicht brauchen wir alle drei hintereinander“, sagt sie weiter. Laila nickt zustimmend und voller Mut und Tatendrang stürzen sich die beiden wieder über die kleine Schlucht zurück in den Wald und markieren nun den Weg ab der Stelle, wo der Weg über den Bach führt. „Juhu, da ist die Schatzkiste. Wiedergefunden!“ Aber die Enttäuschung ist groß, denn auch die Wörter Schatz, Zeilen oder Feinen sind nicht die richtigen Schlüssel zum Schatz, und so ziehen sie unverrichteter Dinge wieder davon. Zurück im Weingut fallen die beiden müde in die Lesesessel im Lesekeller.

Leseabenteuer

Nach einiger Zeit beginnen Emilia und Laila in den Büchern zu stöbern und erinnern sich, dass sie zwischen den Zeilen lesen sollen. „So steht es ja auf der Wand. Doch welches Buch?“, fragt Laila. Vielleicht Huckleberry Finn? „Das ist doch wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen“, meint Emilia leicht entnervt. „Aufgegeben wird hier nicht!“, sagt Laila und beginnt in den vielen Büchern zu lesen. Mehr und mehr versinken die beiden im Lesefluss und träumen von Abenteuern mit Pippi Langstrumpf, Tom Sawyer und zauberhaften Feen.
Es ist schon dunkel geworden. Das Licht im Lesekeller springt wieder an. Elias kommt die Stiege herunter. „Habt ihr den Code gefunden?“ Laila schreckt aus ihren Träumen auf und ruft: „Nein. Ich bin beim Lesen eingeschlafen, aber ich habe großartige Sachen geträumt.“

Mutige Träume

Laila erzählt ganz aufgeregt, dass ihr im Traum die mutige Fee am Hollerberg den Weg zu ihrem eigenen Schatz gezeigt hat. „Ich muss mich auf die Suche machen!“, sagt Laila, springt auf und ruft zur Tür raus: „Achtung, mutige Fee! Hier kommt Laila, die Schatzjägerin!“ Elias lacht und schaut Laila hinterher. In der anderen Ecke schlummert Emilia tief und fest in ihrem Lesesessel mit dem Buch am Bauch. Elias schmunzelt, nimmt das richtige Buch mit dem Code aus dem Regal und schlägt es auf. Ist es sein Lieblingsbuch? Das weiß niemand so genau. Schnell blättert Elias im Buch auf die nächste Seite und beginnt zu lesen. Mit jeder Zeile versinkt Elias mehr und mehr in der Geschichte. Schon beginnt das nächste Abenteuer im Kopf.



Illustration: Jacqui Kaulfersch
Idee und Text: Roger G. Knif